Einstieg in den Bogensport

Einstieg in den Bogensport
Wer kennt es nicht?

Als Kind war es selbstverständlich, mit dem selbst gebauten Bogen aus einem Haselstock und ein bisschen Schnur loszuziehen. Vollkommen überzeugt, dass dieser Bogen die beste “Waffe” aller Zeiten war, zog man hinaus in den Wald und erlebte seine Abenteuer. Dass dieser Haselstock mit einem modernen Wettkampfbogen relativ wenig gemeinsam hat, dürfte sich spätestens dann herausgestellt haben, wenn man zu Olympia im richtigen Moment den Fernseher angeschalten hatte. Doch was sollen all diese Anbauten oder gar Rollen und Kabelzüge an einem Bogen? Und wie komme ich von meinem Haselstock mit Schnur dazu, auch einmal mit einem Wettkampfbogen Turnierluft zu schnuppern? Dieser Artikel soll dabei helfen, den Einstieg in den Bogensport zu erleichtern und einen Weg zum Turnierschützen zu skizzieren.

Beginnen wir zunächst mit der Frage, welche Bogenarten es im modernen Bogensport eigentlich gibt. Grob gesagt fallen die Bögen je nach Definition in die Kategorien Recurve, Compound oder Blankbogen, wobei “Blankbogen” eigentlich nur heißt, dass kein Visier am Bogen angebracht ist. Die Bauformen und Materialien können sich hier erheblich unterscheiden - vom Reiterbogen bis zum englischen Langbogen. “Recurve” heißen die Bögen, welche in ihrer Bauform noch an einen klassichen Bogen erinnern, aber mit allerlei Zusatzmaterial von Visier bis Stabilisationssystem ausgestattet sind. “Compound-Bögen” sind kürzer, haben eine höhere Durchschlagskraft und sind dank noch mehr Technik generell präziser. Ihre Kraft beziehen sie vor allem mehr aus den Umlenkrollen (“Cams”) am Ende ihrer Wurfarme, als aus den Wurfarmen selbst. 2028 sollen Compoundschützen auch zum ersten Mal bei Olympia antreten dürfen.

Als Einsteiger beginnt ein Bogenschütze, der sich für die olympischen Disziplinen interessiert, mit dem Recurve-Bogen zum erlernen der richtigen Technik und passt sich später nach Wunsch an den Compound-Bogen an. Das ist aber weder Pflicht, noch irgendwo festgeschrieben.

Ein Termin für ein Probetraining ist schnell vereinbart und das erste Treffen zum ausprobieren kann am Bogenplatz oder in der Halle stattfinden. Zu Beginn ist es essentiell wichtig, dass die technischen Grundlagen von Haltung, Schussablauf und Körperspannung verstanden und geübt werden. Die Trockenübungen werden am besten mit einem Widerstandsband durchgeführt, damit die Kraft zum Spannen des Bogens simuliert werden kann. Wenn der Ablauf sitzt, können die ersten Pfeile auf kurze Distanz mit einem leichten Zuggewicht abgeschossen werden. Hier ist es wichtig mit dem Zuggewicht nicht zu übertreiben - das ruiniert schnell die Haltung. Meistens ist dann das erste Training auch schon vorbei, ein, zwei Pfeile sind bestimmt schon im “Gold” gelandet und haben für mächtig Freude gesorgt. Wie geht es jetzt weiter?

Am besten lässt sich der Sport im Verein unter der Anleitung von Trainern und Übungsleitern erlernen. Sie kennen die richtige Technik, unterstützen bei der Materialauswahl und begleiten auf Turniere. Also beim nächsten Training einen Mitgliedsantrag ausfüllen und dem Verein beitreten. Über den Verein ist die Frage nach einer Einsteiger-Ausrüstung auch schnell geklärt. Über ein Mietprogramm kann die Erstausstattung einfach ausgeliehen werden. Dann heißt es vor allem: Training, Training, Training! Die ersten Erfolge und merklichen Verbesserungen stellen sich schnell ein. Auch mit der Kraft kann der Bogen bald nicht mehr mithalten und so muss sich die Ausrüstung ebenfalls weiterentwickeln. Das tritt in der Regel nach einem halben Jahr bis einem Jahr ein. Dann sollte langsam ein eigener Einsteigerbogen ausgesucht werden. Gerade bei Kindern können die Sprünge in Größe und Zuggewicht rasant sein. Bei der Auswahl der Ausrüstung unterstützt der Verein, sodass das Risiko für Fehlkäufe minimal ist. Mit neuem Equipment heißt es wieder: Üben, Üben, Üben.

In der Regel sind nach etwa einem Jahr Training die Fähigkeiten schon so weit ausgebildet, dass an Turnieren teilgenommen werden kann - manchmal früher, manchmal später. In Meisterschaftsrunden von der Vereinsmeisterschaft, Gaumeisterschaft, Bezirksmeisterschaft, Landesmeisterschaft oder sogar deutschen Bundesmeisterschaft treten die Turnierschützen an und qualifizieren sich mit entsprechend hohen Punktzahlen (“Ringen”) zur nächsthöheren Meisterschaft weiter. Außerdem gibt es noch einen Ligabetrieb und etliche freie Turniere in unterschiedlichen Wettkampfmodi. Genug Gelegenheit, um die eigenen Fähigkeiten weiter auszubauen und zu einem “richtigen” Bogenschützen zu werden.

Spätestens jetzt lohnt sich der Blick zurück und den eigenen Anfängen mit dem Haselstock. Auf dem Weg zum Turnierschützen sind einige Jahre mit enormen Leistungssteigerungen vergangen, vielen Erfahrungen und wahrscheinlich neuen Freundschaften, aber die Perfektion im Schießen ist noch immer nicht erreicht - wird sie ziemlich sicher auch nie. Das ist das schöne und dramatische am Bogensport.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ich mit dem Bogenschießen anfangen?
Sobald ein sicherer und konzentrierter Umgang mit dem Bogen zu erwarten ist. Das kann ab etwa 10 Jahren möglich sein, ist aber sehr individuell. Ein Maximalalter gibt es nicht.
Wie oft pro Woche sollte ich das Bogenschießen trainieren?
Mindestens zweimal pro Woche sollte das Bogenschießen trainiert werden, um optimal Fortschritte zu erzielen. Je mehr konzentriert geschossene Pfeile, desto besser. Im Sommer kann beim 1. BSC Rottal mit der Platzreife auf dem Bogengelände eigenständig und beliebig oft trainiert werden.
Was brauche ich für ein Probetraining beim Bogenschießen?
An das Wetter angepasste, eng anliegende Kleidung ist Pflicht. Trainiert wird auch bei schlechtem Wetter. In der Halle dürfen Hallenschuhe und eventuell ein Getränk nicht fehlen.